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B4 – Brand LKW Gefahrgut

Am Montag, den 14. Juli 2025, wurde die Feuerwehren Empfingen, Horb Stadt, um 16:21 Uhr mit dem Alarmstichwort „B4 – LKW-Brand“ auf die BAB 81 zwischen den Anschlussstellen Empfingen und Sulz a.N. alarmiert. Aus dem Landkreis Rottweil wurde die Feuerwehr Oberndorf und Sulz alarmiert. Bereits während der Anfahrt zu den Gerätehäusern gingen bei mehreren Integrierten Leitstellen in der Region — darunter Freudenstadt und Rottweil— zahlreiche weitere Notrufe ein, die von einer Explosion eines Tanklastzugs berichteten. 

Daraufhin wurde im Landkreis Freudenstadt das Alarmstichwort auf „Brand 5“ erhöht und zusätzlich die Feuerwehren aus dem Landkreis Rottweil, mit Kreisbrandmeister und Stellvertretern mit dem Stichwort B4 – Brand LKW/ Gafahrguttransport alarmiert. 

Erste Lage beim Eintreffen 

Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte stellte sich die Lage folgendermaßen dar: 

Ein Tanklastzug mit fünf Kammern, beladen mit dem Gefahrstoff Toluol, war im Baustellenbereich am Ende der Mühlbachtalbrücke aus bislang unbekannter Ursache verunglückt und auf der Fahrbahn seitlich zum Liegen gekommen. Die Zugmaschine war stark deformiert und der komplette LKW samt Auflieger stand bereits im Vollbrand. 

Entgegen erster Meldungen durch Ersthelfer befand sich der Fahrer glücklicherweise nicht mehr im Fahrzeug und wurde im weiteren Verlauf durch den Rettungsdienst versorgt und in ein Krankenhaus transportiert. 

Herausfordernde Brandbekämpfung 

Die Bekämpfung des Brandes gestaltete sich aus mehreren Gründen als äußerst schwierig: 

  • Zunächst war unklar, welcher Stoff geladen war. 
  • Die Brand- und Flammenausbreitung war massiv, begleitet von hoher Hitzeeinwirkung und enormer Rauchentwicklung. 
  • Das geladene Toluol, ein leicht entzündliches Lösungsmittel, schwimmt auf Wasser auf, sodass dies zu weiteren Problemen bei der Brandbekämpfung führte.  
  • Aufgrund des auslaufenden Mediums geriet die Böschung und Vegetation beidseitig der Autobahn ebenfalls in Brand und musste mit erheblichen Wassereinsatz abgelöscht werden. 
  • Die Ausbreitung des Lösungsmittels bis in das Erdreich konnte wegen der Einsatzsituation nicht gänzlich verhindert werden.  
  • Die Löschwasserversorgung an der Einsatzstelle war aufgrund der Lage auf der Autobahnbrücke zunächst unzureichend. 

Wasserförderung, Brandbekämpfung und Unterstützung durch überregionale Kräfte 

Zur Sicherstellung der Löschwasserversorgung wurden umfangreiche Maßnahmen getroffen: 

  • Zahlreiche Tanklöschfahrzeuge und Abrollbehälter Wasser und Sonderlöschmittel wurden von den Feuerwehren Böblingen, Sindelfingen, Rottenburg, Tübingen, Dornstetten, Rottweil, Tuttlingen und Bubsheim nachgefordert. 
  • Zwei Schlauchleitungen auf beiden Seiten der Brücke wurden durch die Feuerwehren Horb a.N. und Sulz a.N. aus dem Mühlbachtal bis zur Einsatzstelle gelegt, um Wasser aus einem offenen Gewässer und dem Hydrantennetz von Renfrizhausen zur Einsatzstelle zu fördern. 
  • Die Wasserversorgung wurde ebenfalls durch einen Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen sichergestellt, um eine kontinuierliche Versorgung mit Löschwasser zu gewährleisten. 

Die Einsatzstelle wurde in mehrere Abschnitte und Aufgaben unterteilt: 

  • Abschnitt 1: Brandbekämpfung im Bereich Süd (Einsatzkräfte aus dem Landkreis Rottweil) 
  • Abschnitt 2: Brandbekämpfung im Bereich Nord (Einsatzkräfte aus dem Landkreis Freudenstadt) 
  • Abschnitt 3: Wasserförderung aus dem Tal (gemischte Einheiten beider Landkreise) 
  • Abschnitt 4: Auffangen und Abtransport kontaminiertes Löschwasser unter der Brücke (Gefahrgutzug Landkreis Rottweil und private Entsorgungsunternehmen) 

Zur besseren Übersicht über die Einsatzstelle setzte der Landkreis Rottweil eine Drohne ein. Diese lieferte laufend aktuelle Lagebilder aus der Luft und später auch Daten zur Temperaturbelastung des verunfallten LKWs. 

Gegen 21:30 Uhr konnte endlich „Feuer aus“ gemeldet werden. 

Aufgrund der Drohnenaufnahmen wurde der LKW nach dem Ablöschen weiterhin mit Wasser gekühlt, da nicht auszuschließen war, dass alle Kammern vollständig ausgebrannt waren und noch eine deutliche Wärmebelastung festgestellt wurde. 

In den Gemeinden Sulz a.N., Empfingen und Horb a.N. wurde durch diverse Feuerwehreinheiten über die Dauer des gesamten Einsatzes der sogenannte Grundschutz sichergestellt, um für eventuell auftretende Paralleleinsätze bereit zu stehen. 

Gefahrstofflage und Umweltmaßnahmen 

Nachdem der Gefahrstoff als Toluol identifiziert worden war, wurde entschieden, dass kontaminierte Löschwasser unterhalb der Brücke in einem dort befindlichen Auffangbecken zu sammeln, um ein Eindringen ins offene Gewässer und die Kanalisation zu verhindern. 

Ein eigener Abschnitt Gefahrgut wurde eingerichtet, der durch den Gefahrgutzug des Landkreises Rottweil übernommen wurde. Aufgrund der großen Löschwassermengen kamen mehrere Saugtankwagen zum Einsatz, die das kontaminierte Wasser absaugten und zur Zwischenspeicherung an geeignete Orte verbrachten. 

Durch den Übergang von Wasser- auf Schaumeinsatz konnte der Brand wirksam eingedämmt werden. Dies führte zugleich dazu, dass deutlich weniger Löschwasser anfiel. 

Rauchentwicklung und Warnungen der Bevölkerung 

Wegen der massiven Rauchentwicklung, die teils über Dutzende Kilometer hinweg sichtbar war, wurden noch während der Brandbekämpfung zwei Warnmeldungen an die Bevölkerung über das Modulare Warnsystem (MoWaS) ausgelöst: 

  1. Im 10 km-Umkreis um die Einsatzstelle 
  1. Nach Analyse der Wetter- und Windverhältnisse durch den Polizeihubschrauber und den Deutschen Wetterdienst wurde die Warnung auf einen 30 km langen Streifen in Windrichtung ausgeweitet. 

Messfahrzeuge der Feuerwehren Horb, Tübingen, Engstlatt und Schramberg führten kontinuierlich Schadstoffmessungen in der Region durch. Diese ergaben glücklicherweise keine kritischen Werte, dennoch war über große Entfernungen hinweg eine deutliche Geruchsbelästigung wahrnehmbar. 

Die Warnmeldungen konnten in der Nacht (für die weite Zone) und am Morgen für den Nahbereich wieder aufgehoben werden. 

Einsatz von TUIS und der BASF-Werkfeuerwehr 

Schon während der Brandbekämpfung wurde über das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem (TUIS) fachliche Unterstützung angefordert. 

TUIS ist ein in Deutschland etabliertes Netzwerk der chemischen Industrie, das im Gefahrgutbereich mit speziell geschulten Werkfeuerwehren Unterstützung bei Unfällen leistet. 

Nach telefonischer Abstimmung wurde die Werkfeuerwehr der BASF Ludwigshafen an die Einsatzstelle entsandt. Deren Spezialkräfte begannen gegen 03:45 Uhr nach stundenlangen Vorbereitungen, das noch im Tankauflieger verbliebene Toluol in ein Ersatzfahrzeug umzupumpen — eine Maßnahme, die bis in die Morgenstunden andauerte. 

Einsatzlogistik, THW und Rettungsdienst 

Das THW aus Horb, Schramberg und Rottweil stellte während des gesamten Einsatzes die Ausleuchtung der Einsatzstelle sicher. Dies war insbesondere durch aufziehenden Nebel in der Nacht und einsetzenden Regen am Abend eine zusätzliche Herausforderung. 

Der Regelrettungsdienst aus den Landkreisen Freudenstadt und Rottweil war mit mehreren Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeugen dauerhaft vor Ort. Ergänzend dazu unterstützten die DRK-Ortsvereine Empfingen, Horb, Ergenzingen und Wittendorf sowie DRK Einsatzeinheiten die medizinische Absicherung und Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und Getränken. 

Die Autobahn GmbH des Bundes war frühzeitig an der Einsatzstelle vertreten und unterstützte die Maßnahmen. Ebenso wurden diverse Fachbehörden und Ämter hinzugezogen, die den Einsatz im Rahmen ihrer Zuständigkeiten unterstützten. 

Führung und Koordination 

Die Einsatzstelle lag auf der Gemarkung Renfrizhausen (Landkreis Rottweil). Die technische Einsatzleitung oblag der Feuerwehr Empfingen (Landkreis Freudenstadt) unter Kommandant Dieter Eger. 

Die Führungsgruppe Horb / Empfingen / Eutingen übernahm die Koordination und die  Einsatzleitungskomponenten sowie zusammen mit dem Pressesprecher des Landkreises Rottweil die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, einschließlich der fortlaufenden Lageupdates über Social Media. 

Bilanz des Einsatzes 

  • Über 300 Feuerwehrkräfte aus mehreren Landkreisen 
  • Rund 100 Einsatzkräfte von Hilfs- und Rettungsdiensten 
  • 62 Feuerwehrfahrzeuge und etwa 40 Fahrzeuge weiterer Organisationen 
  • Einsatzbeginn: 14.07.2025, 16:21 Uhr 
  • Einsatzende: 15.07.2025, 08:23 Uhr 

Nach Abschluss der Brandbekämpfung konnte die Personalstärke sukzessive auf ca. 130 Feuerwehrkräfte reduziert werden, diese waren bis zum Ende im Einsatz. 

Fazit und Dank 

Dieser Einsatz stellte durch seine Größe, Gefahrgutlage, Umweltgefahr, Wetter und lange Dauer eine in der Region bislang einmalige Herausforderung dar. Besonders hervorzuheben ist die hervorragende Zusammenarbeit aller beteiligten Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Behörden und Institutionen über Landkreisgrenzen hinweg. 

Wir bedanken uns bei allen Einsatzkräften, Behörden und Unterstützern für ihr hohes Engagement, die reibungslose Zusammenarbeit und den unermüdlichen Einsatz. Dank dieser professionellen Kooperation konnte eine weitere Eskalation der Lage verhindert und die Umweltbelastung begrenzt werden. 

Liste der eingesetzten Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Behörden/ Ämter 

Feuerwehr Empfingen 

Feuerwehr Horb a.N. 

Feuerwehr Sulz a.N. 

Feuerwehr Oberndorf a.N. 

Feuerwehr Rottweil 

Feuerwehr Villingendorf  

Feuerwehr Eutingen i.G. 

Feuerwehr Freudenstadt 

Feuerwehr Dornstetten 

Feuerwehr Tuttlingen 

Feuerwehr Engstlatt 

Feuerwehr Schramberg 

Feuerwehr Tübingen 

Feuerwehr Rottenburg a.N. 

Feuerwehr Sindelfingen 

Feuerwehr Böblingen 

Feuerwehr Bubsheim 

Feuerwehr Deißlingen 

Kreisbrandmeister Rottweil mit Stellvertretern 

Werkfeuerwehr BASF Ludwigshafen 

THW OV Horb a.N. 

THW OV Rottweil a.N. 

THW OV Schramberg 

Regelrettungsdienst Landkreis Rottweil 

Regelrettungsdienst Landkreis Freudenstadt 

Organisatorischer Leiter Rettungsdienst Landkreis Freudenstadt 

1. Einsatz Einheit Betreuung des DRK Freudenstadt 

2. Einsatz Einheit (gesamt) des DRK Freudenstadt 

DRK OV Empfingen 

DRK OV Horb Steinachtal 

DRK OV Ergenzingen 

DRK OV Wittendorf 

Polizeipräsidium Konstanz 

Polizei Baden-Württemberg 

Landratsamt Rottweil 

Autobahn GmbH des Bundes 

Stadt Sulz 

Gemeinde Empfingen 

Bildquellen: Pressesprecher KVF Rottweil, Fachbereich Drohen LK Rottweil, Feuerwehr Horb, Feuerwehr Empfingen 

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